Burgenregion Allgäu

...eine Höhlenburg...


...veste ze dem Loche pei Fuezen....

Burgruine Schloss Loch

Direkt oberhalb der Via Claudia Augusta erhebt sich etwa 600 m östlich der Kirche von Unterpinswang eine hohe, senkrechte Felswand mit starke Aushöhlung, in der sich in 40 m Höhe noch die Mauerreste einer Burg befinden.

Besitzverhältnisse:  1265 gegründet vom edelfreien Geschlecht Rettenberg-Hoheneck aus dem Westallgäu und sollte gemeinsam mit der benachbarten Burg Vilsegg ein größeres Herrschaftsgebiet von Vils bis Pinswang sichern. Schwierig wurde die politische Konstellation für die Hohenecker, als Elisabeth von Bayern, Witwe von König Konrad IV., 1259 das Außerfern in ihre zweite Ehe mit Graf Meinhard II. von Tirol einbrachte, das somit an Tirol überging. Meinhards Expansionsdrang führte zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die unter seinen Söhnen 1312/13 in der Belagerung und Eroberung der Burg Loch eskalierten. Schon 1315 erscheint Loch dann in tirolisch-landesfürstlichem Besitz, als für 33 Mark Reparaturarbeiten aus Stein und Holz – edificiis murorum et lignorum – in den Raitbüchern verzeichnet werden. Daraus erschließt sich wohl eine Beschädigung im Zuge der Belagerung. Fortan saßen bis 1352 landesfürstliche Burghüter auf der veste ze dem Loche pei Fuezen.

1328 unternahmen die Hohenegger einen vergeblichen Rückeroberungsversuch des castrum in loch. Danach wurde es still um die anscheinend nur notdürftig gewartete Burg, die folglich rasch in Verfall geriet. Grund für den Bedeutungsverfall mag der Umstand gewesen sein, dass das Lechtal 1348 der Gerichtsbarkeit des Ehrenberger Pflegers unterstellt wurde.

1552 barg man aus ihr 394 Kugeln für Falkonen (leichte Geschütze). Vermutlich sollte die strategisch sehr gut gelegene Burg als Artilleriestandort dienen. Ob die Einlagerung der Geschützkugeln mit dem Schmalkaldeneinfall von 1546 zusammenhängt, bleibt spekulativ.

1609 schrieb der Geschichtsschreiber Matthias Burglechner, es habe bei Pinswang vor vilen Jaren ein Schloß gestanden, so die Veste Loch genannt wird.

 

Architektur:

Die indirekte Erwähnung der Burg im Jahr 1263 spricht dafür, dass die Höhlenburg fast zeitgleich mit der Burg Vilsegg gegen Mitte des 13. Jhdts. errichtet wurde. Dabei verschloss man eine hoch in der Felswand gelegene, etwa 35 m lange und 12 m tiefe Aushöhlung (1) durch eine massive Frontmauer (2). Der alte Zugang erfolgte von Westen über ein schmales Felsplateau. 

Hinter der Frontmauer dürfte sich ein zweigeschossiger Wohnbau erstreckt haben, der von der Frontmauer bis zum rückwärtigen Fels reichte. Sekundäre Ausbauten im Inneren und Äußeren der Grotte dürften auf die Reparaturarbeiten von 1315 und jünger zurückzuführen sein.

Am Fuß des Felshangs haben sich Wallreste einer kleinen Vorburg erhalten (3), die 1994 archäologisch in die zweite Hälfte des 13. Jhdts. datiert wurde. Vermutlich  nutzte sie die Reste einer römischen Umspannstation, der die Via Claudia Augusta durch sie hindurchlief.

 

Wir stellen uns das Leben in einer Höhlenburg sehr ungemütlich, da nasskalt und dunkel, vor. Doch archäologische Untersuchungen an Schweizer Höhlen- und Grottenburgen erbrachten den erstaunlichen Nachweis, dass sich in den Burgmauern durchaus vornehme Haushalte etablieren konnten: Küchenabfälle aus der Höhlenburg Riedfluh bezeugen eine qualitätvolle Ernährung. Was den Wohnkomfort anbelangte, galt es vor allem, das Höhleninnere von Regen- und Schmelzwasser frei zu halten.

Manche Höhlenburgen lagen derart alpin, dass Material- und Personentransporte nur durch Lastenaufzüge (Körbe) möglich waren.

Im Mittelalter bezeichneten die Begriffe foramen (mittellateinisch) und loch (mittelhochdeutsch) für eine Höhle auch eine Höhlenburg.

Sie sind vom Talgrund aus über einen Zickzack-Weg zu erreichen, indem man der Beschilderung „Schloss“ folgt. Ihren irreführenden Namen „Schloss“ erhielt die Burgruine wohl 1609 durch Burglechner (s. u.).

Die Burgruine ist jederzeit kostenfrei zu besichtigen.