Burgenregion Allgäu

Burgruine VILSEGG


....eines der eindruckvollsten Beispiele stauferzeitlicher Baukunst in Tirol....

 

Direkt über den vielbereisten Handelsweg, die Via Claudia Augusta, der am Nordrand des Vils Tals entlanglief, entstand auf einem steilen Wettersteinfels als unübersehbares, imposantes Herrschaftszentrum um 1220/30 die Burg Vilsegg. Mit ihrem Besitz waren beträchtliche Einnahmen durch Zölle und Geleitrechte verbunden.

Ihre Erbauer waren die edelfreien Herren von Hohenegg - ein bedeutendes Adelsgeschlecht aus dem Westallgäu, das von dem mächtigen Geschlecht der Rettenberger abstammte. Nur wenige Kilometer südlich besaßen die Rettenberger eine weitere Burganlage, die Höhlenburg Loch bei Pinswang. Auf ihre Burg Vils bestellten sie ein Dienstmannengeschlecht, das sich nach der Burg benannte.

Rudolf von Hohenegg amtierte 1271 als Reichskanzler und 1285 als Erzbischof von Salzburg. Auf Betreiben seines Sohnes Peter von Hohenegg erhob König Ludwig der Bayer 1327 Vils zur Stadt. Die winzige, durch Stadtmauer, Stadtgraben und zwei Tore geschützte Stadt florierte durch Eisenverarbeitung, Erz- und Gipsabbau, Getreideanbau, Holzhandel und Rodwesen. Obwohl das Lehen 1408 Herzog Friedrich IV. von Österreich übertrugen wurde, blieben Burg und Herrschaft als Unterlehen („Afterlehen“) bei den Hoheneggern, die 1514 von Kaiser Maximilian I. sogar den Blutbann, die Hohe Gerichtsbarkeit und das Asylrecht erhielten. Ab 1550 übernahm das in der Stadt errichtete Schlössle bzw. Amtshaus die Verwaltungs- und Wohnfunktion der unkomfortabel gelegenen, schwer zu unterhaltenden Burg, die daraufhin in Vernachlässigung und ab 1709 in Verfall geriet.

 

Erst mit dem Aussterben der Hohenegger ging die Herrschaft über Graf Leopold Wilhelm von Königsegg 1672 an Kaiser Leopold I. Burg und Stadt Vils kamen 1816 im Tausch gegen Marktredwitz (BRD) zu Österreich.

 

Die Architektur

 

Auf der Felskuppe erhob sich, dominiert durch einen imposanten Wohnturm, die Hauptburg, während die Vorburg zur Senke vor dem Bergmassiv hinab zog. Dort standen weitere Gebäude, während der benachbarte Hang mehrere Quellen enthielt, die wohl durch eine Röhrenleitung die Burg mit Wasser versorgten. Wasserversorgung, Talnähe und die sich unübersehbar weit ins Tal vorschiebende Rückfallkuppe waren zweifelsohne ausschlaggebend für die Platzwahl, wobei man erhebliche wehrtechnische Nachteile in Kauf nahm (das bergseitige Gelände überhöht die Burg rasch).

Von der Vorburg in der Senke erreicht der Burgweg in einer weiten Schleife die Hauptburg von Osten und passiert dabei eine im 14. Jahrhundert errichtete Traverse. Sie zeigt noch den Kanal für den Riegelbalken des ehemaligen Tores. Vor dem ehemaligen Haupttor in der Ostseite liegt ein kleiner Torzwinger, der gleichfalls im 14. Jahrhundert angelegt wurde. Das Osteck der Hauptburg bestand aus einem kleinen Nebengebäude, dessen Bewohnbarkeit ein Abortschacht belegt. Der heute völlig verschwundene Palas lag an der Südseite, war Richtung Tal bzw. Vils orientiert. Mittig im Burghof befand sich eine kleine aus dem Fels gehauene, 3 m tiefe Zisterne.

Blickfang der Burg ist ihr mächtiger quadratischer Wohnturm, der zurecht als großartiges Zeugnis spätromanischer Profanbaukunst angesehen wird. Er besaß fünf ungewölbte Geschosse, wobei sich der obligate Hocheingang 4-5 m über dem Boden in den 1. Stock öffnete. Die Verbindung zwischen den Geschossen erfolgte über Leitern oder Blocktreppen. Baulich hervorgehoben ist der 3. Stock durch eine dreiteilige Kleinfenstergruppe, die auf eine ehemalige Bohlen- oder Blockwerkkammer verweist. Diese waren ab dem 13. Jahrhundert auf Burgen sehr beliebt, da sie sich gut beheizen ließen. Die Beheizung des Turms ist unklar, da eine Turmseite komplett fehlt. In den restlichen drei Wänden sind keine Wandkamine enthalten, was auf Kachelöfen und Glutpfannen hinzuweisen scheint. Ein ausgekragter hölzerner Gang führte einst im 4. Stock um den gesamten Turm, dessen Abschluss man im 14. Jahrhundert überformte. Um 1500 mauerte man neue Giebelwände auf, um den Turm mit einem Krüppelwalmdach zu versehen. Der Turmabschluss bestand ursprünglich aus umlaufenden Schwalbenschwanzzinnen, die aber – wie der gesamte Turm –als Ausdruck territorialer Macht zu verstehen sind.

Bereits ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Verfall geraten und dann von den Anwohnern als Steinbruch genutzt, erlitt der Turm durch ein Erdbeben im Jahr 1930 so schwere Bauschäden, dass die Ostwand des Turms und der daneben liegende Palas neun Jahre später einstürzten.

 

Erste Notsicherungsarbeiten führten 1981-93 die „Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Ruine Vilsegg“ durch. Von 2004-2007, im Rahmen eines Leader+ Projekts, wurde zusammen mit dem Bundesdenkmalamt und dem Museumsverein neuerliche Freilegungs- und Sanierungsmaßnahmen (Wegebau, Ausholzen, Beleuchtung, Beschilderung, Ausgrabungen der Palasmauern, Ringmauern und Abort) getätigt. Mit dem Ziel, den jetzigen Bestand ohne große Ergänzungen und moderne Baueingriffe zu erhalten. 

Die Burgruine befindet sich in Privatbesitz, ist aber jederzeit kostenfrei zu besichtigen.

 

Besonderheiten

- das Asylrecht, vom Kaiser Maximilian I an den Hoheneggern verliehen, erstreckte sich – für Tirol einzigartig - nicht nur auf die Burg, sondern auf das ganze Stadtgebiet.

-König Ludwig II. von Bayern besuchte die Burgruine Vilsegg und die Familie Hartmann mehrfach, sogar im Jahr 1868 beim Baubeginn vom Schloss Neuschwanstein.

-Königin Marie (die Mutter von König LudwigII) richtete sich sogar ein Zimmer bei der Hammerschmiedefamilie Hartmann ein, das sie 140-mal bezog.

-Schloss Neuschwanstein ist sichtbar von der Burgruine Vilsegg

-Der Wohnturm von Vilsegg hat architektonisch und zeitlich eine enge Parallele zum Wohnturm der Burg Langenegg im Oberallgäu.

 

ZUGANG

 

-Vom kostenlosen Parkplatz am Sportplatz in Vils führt ein Kinderwagentauglicher Forstweg vom Siedlungsgebiet hinauf zur Burgruine. (ca 15 min. Richtung Salober Alm)

-Die letzten 80m geht nur ein schmaler Fußweg zur Ruine

-Bergpanorama mit Blick auf die Zugspitze und Schloss Neuschwanstein.

-Vom Alatsee über steilen aufstieg zur Salober Alm, abstieg über den Steig Richtung Vils

Historische Hammerschmiede

Historische Hammerschmiede

Am Fuße der Burgruine Vilsegg direkt am GEOpfad Pfronten-Vils steht die historische  Hammerschmiede von Vils, die den Herren von Hohenegg im Mittelalter als Waffenschmiede diente.

Zusammen mit der Burgruine Vilsegg und der kleinen romantischen Kirche St. Anna, bildet dieses Ensemble eine einzigartige Rarität in Tirol, die es wert ist besichtigt zu werden.
Im Inneren der Hammerschmiede befindet sich eine Ausstellung in der die Themen Eisenproduktion im Mittelalter, Waffenschmiede, Engelbert Hartmann (einer der letzten Schmiede) und die Besuche der Königlich Bayerischen Familie von Ludwig II. aufgegriffen werden.

Führungen in der Hammerschmiede können unter www.vilsart.eu vereinbart werden.

St.Anna Kirche

An der Nordseite der Gemeinde liegt unterhalb der Burgruine Vilseck das kleine Kirchlein St. Anna. Burg, Kirche und Hammerschmiede (ehemals Waffenschmiede) bilden ein wunderbares Ensemble, das immer schon Anziehungspunkt vieler Wanderer war, nicht zuletzt der Wittelsbacher, die sich im 19.Jahrhundert hier samt Gefolge oft aufhielten. Betritt der Besucher die Kirche, so fällt die Schlichtheit auf. An der Nordwand des Langhauses sind auf Sockeln zwei Holzskulpturen angebracht: eine Figurengruppe, welche die Engelserscheinung des hl. Joseph im Traum darstellt. Signiert und datiert Johann HOBBS 1713 /1715. Der Hochaltar birgt ein Altarblatt mit der Darstellung der Mutter Anna, des hl. Joachim und der lesenden Maria. Die St. Anna Kirche dient heute oft als Hochzeitskirche. Jeweils an den Montagen im Mai finden hier gern besuchte Maiandachten statt. In der Bittwoche pilgert die Pfarrgemeinde hierher, um den Segen für Arbeit, Haus und Feld zu erbitten. Eigentlich sollte die Kirche 1778 abgebrochen werden, doch den Bürgern der Gemeinde gelang es, dies zu verhindern.